Für Simon Michael        

 

21. Januar 2005

Heute haben wir Dich beerdigt. Von nun an kann ich immer zu Dir gehen wenn ich möchte.

Die Beerdigung war sehr kurz. Der Pfarrer hat einige wenige Worte gesprochen. Sogar Deine Tante aus Ludwigshafen war da. Sie ist extra zu Dir gekommen. Um sich von Dir zu verabschieden.
Mein kleiner Schatz, ich vermisse Dich so sehr. Du durftest nicht bei uns bleiben, aber Du wirst immer in unseren Herzen bleiben, und irgendwann sehen wir uns wieder.

Deine Mama

17. März 2005

Vor genau neun Wochen wurdest Du geboren. Neun Wochen ist eine lange Zeit. Für mich war diese Zeit noch länger. Jeder Tag zog sich wie Gummi unendlich in die Länge. Es gab gute Tage, an denen ich an Dich dachte ohne zu weinen, anderen von Dir erzählt habe. Und es gab schlechte Tage an denen ich Dich sehr vermisste. Auch Deine Schwester Lena denkt oft an Dich. Immer wieder erzählt sie von Dir. Mittlerweile hat sich unser Alltag wieder eingespielt. Und doch ist da eine ganz große Lücke. Nach Deiner Beerdigung waren wir jeden Tag an Deinem Grab. Mitte Februar sind wir dann auf den Campingplatz gefahren. Dort hast Du auch einen Platz bekommen. Und von dort haben wir uns als Souvenir eine Virusgrippe mitgebracht. Ich bin froh das Du so was niemals mitmachen musst. Eine Grippe ist wirklich eklig.

Als es uns wieder gut ging konnten wir gar nicht mehr an Dein Grab. Es hatte in der Zwischenzeit so viel geschneit das der Weg zu Deinem Grab unpassierbar war. Und auch Dein Grab konnte man kaum sehen. Es war nur ein großer Haufen Schnee mit einem Windrad drin. Dein Teddy, Lena hat ihn Max getauft (ich denke der Name gefällt Dir), konnte gar nichts mehr sehen.

Und Lena ist viel Schlitten gefahren. Und ich weiß das Du mitgefahren bist. Einen Nachmittag fuhr sie alleine Schlitten. Dein Papa und ich haben ihr von hier oben aus zugesehen. Und da dachte Lena nicht an meine Warnung, sie solle nicht so nah an den Zaun ranfahren. Sie fuhr mit voller Wucht in den Zaun. Es ist nicht viel passiert, außer einer dicken Prellung am Oberarm. Wir wissen das Du aufgepasst hast das sie der Zaun nicht in Halsnähe traf. Die Prellung ist jetzt wieder weg. Aber Du musst weiter gut auf sie aufpassen. Sie ist soo trottelig im Moment. Aber das brauch ich Dir nicht erzählen. Du wirst es selber sehen, wenn sie gegen Türrahmen rennt oder über ihre eigenen Füsse stolpert.

Jetzt ist es endlich wieder wärmer geworden und der Schnee ist weg. Vorgestern waren wir an Deinem Grab. Max kann auch wieder alles sehen. Wir werden Dir in den nächsten Tagen eine neue Schale mit Frühlingsblumen aufs Grab stellen.

Letzten Dienstag hab ich wieder angefangen zu arbeiten. Ich habe endlich den Job wiederbekommen, den ich mir so erhofft hatte. Es stehen auch schon Bilder von Dir und Lena in meinem Büro. Und eine Kollegin, die Birgit, hat mir ein Häschen für Dich geschenkt. Das sitzt jetzt neben den Bildern.

Dein Obduktionsbericht ist immer noch nicht da. Ich werde nächste Woche mal im KH nachfragen und, wenn es sein muss, den Leuten mal auf die Füße treten.

Seit März ist, gehts mir nicht so gut. Ich denke immer an Dich, denn eigentlich solltest Du am 3. März geboren werden. Aber selbst wenn Du Dich anders entschieden hättest. An den Termin hättest Du Dich sicher nicht gehalten.

Jetzt kommen auch all die anderen März-Babys zur Welt. Ich sollte mich eigentlich freuen, aber es geht nicht. Ich werde sehr traurig wenn ich daran denke das Du nicht bei mir bist. Ich weiß das Du immer bei mir bist, aber ich kann Dich nicht sehen, nicht fühlen. Ich würde Dich so gerne im Arm halten, Dich streicheln und einfach nur mit Dir glücklich sein.

Ich liebe Dich und ich vermisse Dich so sehr, mein kleiner Stern.

Deine Mama

22. Mai 2005

Heute nacht hast Du mich besucht, mein kleiner Schatz, im Traum. Das allererste Mal. Es war sehr merkwürdig aber wunderschön:

Du wurdest exhumiert, wirklich, dieser Gedanke ist total grauslig. Schliesslich sollst Du Deine Ruhe haben. Warum ich das so geträumt habe, weiss ich nicht. Jedenfalls war es so.

Zusammen mit dem Bestatter habe ich Deinen Sarg geöffnet...und da lagst Du drin und sahst aus wie ein lebendiges schlafendes Baby. So friedlich, so süß......!!! Und auf einmal machtest Du Deine Augen auf und sahst mich an. Der Bestatter sagte nur: Ohjee.........und ich rannte sofort los um ein KH zu suchen, ich wollte Dich mit nach Hause nehmen. Du lebtest ja.........Ich irrte ne Weile durch die Gegend und ging dann schliesslich zurück. Dein Grab war unberührt. Der Bestatter war weg. Als ich dann aufwachte musste ich mich erst mal sammeln.

Ich bin Dir unendlich dankbar mein Schatz. Du hast mir Deine wundervollen blauen Augen gezeigt. Ich war so traurig das ich sie nicht sehen durfte. Jetzt weiß ich wie sie aussehen und ich freue mich sehr darüber.

Mein Schatz, auch wenn wir uns nicht sehen, nicht fühlen können, so kannst Du mich immer wieder im Traum besuchen, wann immer Dir danach ist. Ich freue mich...............Ich vermisse Dich..........Ich liebe Dich.

Deine Mama

13. Juli 2005

Vor genau 6 Monaten musste ich Dich gehen lassen, mein kleiner Schatz. Ein halbes Jahr voller Höhen und Tiefen. Anfangs wollte die Zeit nicht vergehen. Jeder Tag zog sich wie Gummi. Dann wieder eine Zeit die schnell verging. Im Moment ist wieder eher eine Gummi-Zeit. Aber es geht mir nicht schlecht. Eigentlich sogar ganz gut. Andere Babys machen mir nicht mehr soviel aus wie vor ein paar Monaten noch. Ganz im Gegenteil. Ich würde gerne mal eins auf den Arm nehmen. Einfach mal so um zu sehen wie das ist.

Es ist komisch, aber ich kenne Dich ganz gut mittlerweile. Andere Mütter lernen ihre Babys auch kennen mit der Zeit. Wissen was sie gerne essen, wann und wie sie schlafen. Bei uns beiden ist das etwas anders, und doch dasselbe. Ich weiss z. B., das Du schrecklich gerne die Kerze auf Deinem Grab die wir immer für Dich anzünden, einfach auspustest. Und Du spielst immer mit dem Teddy der auf Deinem Grab sitzt. Manchmal liegt er auf der Nase und ist ganz schmutzig. Heute hab ich ihn vergessen wieder mitzubringen. Tschuldige, beim nächsten Mal kommt er wieder mit. Er brauchte nur ein Vollbad in der Waschmaschine.

Aber so kenne ich Dich auch ein bisschen. Auch wenn Du nicht bei mir bist, ich Dich nicht sehen kann. Deine große Schwester schimpft immer mit Dir, weil Du immer die Kerze wieder ausbläst.

Vor 2 Tagen wurde dein Grabstein bzw. Grabplatte fertig. Dein Papa wollte mich damit überraschen. Er hatte mir nicht gesagt das er sie schon im Auto hatte. Aber Deine Schwester hat sich dann verplappert. Wir haben dann Dein Grab richtig schön hergerichtet. Es sieht wunderschön aus. Ich denke es gefällt Dir auch. Und die Kerze kannst Du nun nicht mehr auspusten. Kleiner Lümmel, sonst ist es doch nachts so dunkel. Und ich möchte nicht das es dunkel ist. Die Lampe ist wunderschön, blau mit Mond und Sternen drauf. Solch eine Lampe hat sonst keiner in Deiner Reihe. Für Dich soll es schon etwas Besonderes sein, weil Du etwas ganz Besonderes bist. Ich bin so glücklich diese Lampe gefunden zu haben. Das würde ich am liebsten jedem erzählen. Aber die anderen interessiert das nicht. Für mich ist es so, als hättest Du sitzen gelernt oder so was in der Art. Man möchte das so gerne alles erzählen. Nur will es keiner hören. Die meisten wechseln schnell das Thema wenn ich anfange über Dich zu erzählen. Andere Mütter werden quasi mit Fragen gelöchert was den Nachwuchs angeht.

Deinen Papa hast Du auch geärgert. Er wollte die Blumenvase, für die Blumen die Dir deine Omi immer bringt, komplett in die Erde stecken. Es ging nicht. Da hast Du wohl einen Stein in den Weg geschoben. Also guckt die Vase nun halb raus. Aber was solls. Vielleicht wolltest Du das ja gar nicht. Oder Du wolltest einfach nur gucken wie sich Dein Papa abgemüht hat die Vase zu platzieren. Zuzutrauen wäre Dir das.

Deiner Schwester gehts überhaupt nicht gut. Sie hat die Windpocken. Und das juckt schrecklich und die Arme darf nicht kratzen.

Jetzt ist sie auch kein Kindergarten-Kind mehr. Letzten Freitag hatte sie ihren letzten Tag. In ein paar Wochen wird sie ein Schulkind sein. Ich muss sagen, die Zeit ist doch recht schnell vergangen.

Ich habe auch Dein Album fertiggemacht. Alle Fotos eingeklebt, mit Gedichten, Briefen. Alles was mit Dir zu tun hat. Dieses Album h�te ich, denn es ist ein Schatz. Es ist Dein Leben, wenn es auch leider sehr kurz war.

Du bleibst und bist unser Sohn und Bruder, mein 2. Kind, ein Familienmitglied. Wir haben Dich sehr lieb und wir vermissen Dich.

Deine Mama

 

21. August 2005

Du hast mich heute wieder besucht im Traum. Das war so toll. Du lagst auf der Bank in der Küche als ich Dich sah. Deine Omi und Deine Tante waren auch da, sie verabschiedeten sich gerade und gingen. Ich nahm Dich auf den Arm, das tat sooo gut. Du schautest mich an und hast ganz ruhig geatmet. Du lebtest. Ich wollte noch hinter meiner Mutter und Schwester hinterherrufen, das Du lebst. Aber in dem Moment schliefst Du in meinen Armen ein.........für immer. Dann bin ich wieder aufgewacht. Es ist so wunderschön wenn Du mich besuchst. Und Du bist immer lebendig. Ich hab Dich lieb und ich vermisse Dich so schrecklich.

Deine Mama

30. Dezember 2005

Ich weiss, ich hab sehr lange nichts geschrieben. Irgendwie kam ich nie dazu.
Da war die Einschulung Deiner grossen Schwester. Das hat die ganze Familie in Aufregung versetzt. Dann folgten Termine und Lena hat Probleme in der Schule gemacht. Es ging recht turbulent zu.

An Lenas Geburtstag gabs den ersten richtigen Schnee. Sie hat sich so gefreut. Du hast lauter Wolken auseinandergepflückt. 

Zu Weihnachten haben wir Dir einen Stern auf den Grabstein gelegt. Ich hoffe er gefällt Dir. 
Heute ist es genau ein Jahr her, das ich Dich zum allerletzten Mal gehört habe. Es wurde beim Arzt ein CTG geschrieben. Die Schwester hatte ziemliche Schwierigkeiten Dich zu finden. Kaum hat sie Dich gehabt, zupp, drehtest Du Dich um und weg warst Du wieder. Ich hab fast ne Stunde dort liegen müssen bis ein halbwegs brauchbares CTG rauskam. Aber es war alles ok mit Dir. Du warst sehr lebhaft, hast getreten, Dich immer weggedreht. Ich vermisse diese Zeit. Es war so schön, wenn Du meinen Bauch "ausgebeult" hast. Ich konnte nie genug davon kriegen. Jetzt bleiben mir nur die Erinnerungen daran.

Ich hab Dich schrecklich lieb.

Deine Mama

 

09. Januar 2006

Heute ist noch ein Jahrestag. Vor einem Jahr spürte ich Dich das letzte Mal. D. h. ganz sicher bin ich mir auch nicht. War ich zu beschäftigt was zu merken ?? Wir haben das Kinderzimmer renoviert und hergerichtet. Dein Bettchen aufgebaut. Es war viel zu tun, Dein Papa hat natürlich das meiste gemacht. Wir waren so voller Freude. Abends habe ich an Deinem Bett gestanden und dachte mir, noch ein paar Wochen. Nur ein paar Wochen und dann bist Du bei uns. Auf einmal warst Du so greifbar nah. Da ahnte ich noch nicht, das alles anders kommt. Und nun ist es bereits ein Jahr her. Es kommt mir vor als wäre es gestern gewesen. An jedem dieser Tage denke ich an Dich. Wie Du wohl aussehen würdest ?? Deine Schwester vermisst Dich auch. Deine Omi hat ein Portrait von Dir anfertigen lassen. Das ist so wunderschön geworden. Lena hütet es wie einen Schatz.

Morgen folgt noch ein kleiner Brief, und dann erst am Freitag wieder, wenn Du Geburtstag hast. Dein erster Geburtstag.

Ich hab Dich lieb, ich vermisse Dich.

 

Deine Mama

 

 

10. Januar 2006

Ich war heute bei Dir und habe Deine Kerze angezündet. Vor einem Jahr bist Du zu den Sternen gegangen. Und ich habe rein gar nichts gemerkt. Du warst so ruhig, hast Dich nicht mehr bewegt. Das ist mir erst hinterher klargeworden. Ich frage mich immer wieder, wann Du gegangen bist ?? Was habe ich in dem Moment gemacht, als Dein kleines Herzchen zum letzten Mal schlug. Ich weiss, das mir diese Frage keiner beantworten kann. 

 

Deine Mama


 

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