Im Krankenhaus hab ich wahnsinnig viel Unterstützung gekriegt. Die Hebammen nahmen mich immer wieder in den Arm, obwohl sehr viel los war, kam immer mal wieder jemand und blieb ein bisschen bei mir. Für das ganze Personal wars auch nicht leicht. Die Lernschwestern hatten auch arg dran zu knabbern, vor allem die die mit dem Arzt kam um meinen Jungen abzuholen.

Nach Hause zu kommen war ein eigenartiges Gefühl. Sehr traurig. Ich bin nicht mehr schwanger, komme mit Lena und Michael nach Hause und alles scheint so wie es vorher war. Vor der Schwangerschaft. Und doch ist nichts wie es mal war.

Da stand das kleine Bettchen im Kinderzimmer, darunter ein Karton mit der neuen Bettaustattung und den ersten Sachen die ich geschenkt bekommen hatte. Im Schrank liegen die ganzen Umstandssachen, die ich nun auch nicht mehr brauche. Auf dem Tisch im Wohnzimmer liegt ein Block mit einer langen Liste für die Babyerstausstattung. Ich wollte die Sachen genau um diese Zeit bestellen. Am 16.01. war ein Ausflug nach Köln geplant um eine Wiege abzuholen. Auf einmal brauche ich das alles nicht mehr und das tut weh.

Das Bettchen hat Michael einen Tag später abgebaut und in den Keller gebracht. Der Karton und die Umstandssachen wurden erst Monate später weggeräumt. Das Wochenende war ich hauptsächlich damit beschäftigt im Internet meine ganzen Mails abzurufen. Auf meine Beiträge hab ich so viele Reaktionen gekriegt, das ich irgendwann aufgehört habe sie zu zählen. Es ist so erstaunlich und es tut gut zu wissen das so viele Leute an uns denken.

Am Sonntagabend (16.1.) hab ich dann die Liste genommen die ich im Krankenhaus erhalten habe und versucht eine der Frauen zu erreichen. Was mir dann auch gelungen ist. Die Frau wusste sofort was los war und es tat gut mit ihr zu reden. Sie nahm sich Zeit, hörte mir zu und wusste genau wovon ich redete. Sie hat vor 14 Jahren auch ihren Sohn auf die gleiche Weise verloren. Ich erzählte ihr alles was ich bis dahin entschieden und getan habe und sie sagte ich hätte alles richtig gemacht. Das wäre der richtige Weg zur Trauerbewältigung.

Am Montag (17.1.) waren wir beim Bestatter. Ich brachte ihm die Sachen für Simon mit die ich noch gekauft hatte. Eine süße hellblaue 2 teilige Garnitur und einen hellblauen Body. Dazu bekommt er die Söckchen an, die ich für ihn gestrickt habe. Leider sehe ich nicht mehr, wie er in den Sachen aussieht, aber ich kanns mir in etwa vorstellen. Er bekommt auch noch eine kleine Ente mit in den Sarg.

Am Dienstag (18.1.) haben wir das Gesteck für das Grab bestellt. Es wird ein Herz mit vielen bunten Blumen. Ich werde dann noch einen Teddy mitbringen.

Zwischendurch werde ich immer wieder angerufen. Es ist schön zu wissen, das viele Leute an uns denken.

Am Mittwoch (19.1.) war der Pastor da. Er wird nicht viel sagen bei der Beerdigung. Er gibt uns die Möglichkeit uns ganz still von Simon zu verabschieden. Ich habe heute einen Platz für Simon hergerichtet. Mit all seinen Sachen, Babypass, US-Bilder, Namensbändchen, Kuscheltiere, einer Kerze, und ein Bild von ihm haben wir aufgehängt.

Donnerstag (20.1.) In der Apotheke heute morgen begrüßte mich die Apothekerin freudestrahlend mit den Worten:“ Wo ist denn ihr Kleines“??

Bau, das saß. Es fühlte sich an wie ein Tritt der einen ganz unvorbereitet trifft. Sofort stiegen mir die Tränen in die Augen und ich fing an zu zittern. Leise sagte ich zu ihr das mein Baby vor genau einer Woche still geboren wurde. Ihre Gesichtszüge entgleisten und sie wünschte sich, sie hätte das nie gesagt. Ich sagte ihr es wäre nicht schlimm, sie konnte es ja nicht wissen. Und doch tat es so weh. Mir ist das schon mal passiert. Im Krankenhaus, als eine Schwester von der Chirurgie strahlend von ihrem Enkelkind erzählte. Das wird noch oft passieren, und es wird wehtun. Aber es gehört zur Trauerbewältigung dazu.

Wir haben noch Blumensträuße und Teddybären besorgt für die Beerdigung.

Freitag (21.1.) Die Beerdigung – einerseits ein trauriger Tag – andererseits hat Simon nun seinen Platz an dem ich ihn immer besuchen kann wenn mir danach ist. Das Blumenherz was wir bestellt haben ist wunderschön geworden und Lena hat einen Teddybären zwischen die Blumen gesetzt. Der Pfarrer hat auch genau die passenden Worte gefunden. Wir waren nachmittags noch mal bei Simon und haben eine Kerze auf sein Grab gestellt. Und ausgerechnet da ließ uns das Feuerzeug im Stich so das wir das Licht nicht anzünden konnten.

Samstag (22.1.) gingen wir mit einem neuen Feuerzeug wieder zu Simon. Seine Kerze brannte schon, und die Kerze auf dem Nachbargrab auch. Eine nette Geste einer Sternenkindmama.

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