Im Krankenhaus machte der Oberarzt noch eine Ultraschalluntersuchung. Die ergab den gleichen Befund. Unser Baby ist gestorben. Ich fragte wie es liegt, da ich ja in den letzten Wochen so gehofft hatte das es sich in die richtige Sch´┐Żdellage dreht. Und es lag in Schädellage.........

Der Oberarzt klärte uns auf was jetzt zu tun wäre. Er sagte uns, da das Baby richtig rum liegt, wäre eine normale Geburt die beste Lösung. Für die Trauerarbeit wäre es sehr wichtig und durch einen Kaiserschnitt hätte ich einen unnötigen Schaden. Das wollte ich auch gar nicht, so schwer mir der Gedanke in dem Moment fiel ein totes Baby mit Wehen und Anstrengungen auf die Welt zu bringen.

Wir konnten danach erst mal nach Hause fahren. Lena musste vom Kiga abgeholt werden und ich musste ihr die schlechte Nachricht noch mitteilen. Ich rief meinen Bruder an, damit er sich erst mal um Lena kümmert, bis Lenas Vater Zeit für sie hat.

Zuhause hab ichs Lena dann erzählt. Sie weinte sofort und fragte nach dem grossen Warum. Ich erklärte ihr das wir uns das alle fragen und keiner eine Antwort hat. Dann ging sie in ihr Zimmer, nahm ihre Puppi setzte sich hin und weinte.

In der Zwischenzeit schrieb ich einen Haufen Emails und rief meine Mom an. Sie fing auch sofort an zu weinen und war genauso schockiert wie wir. Sie sagte mir das sie abends im Krankenhaus vorbeikommen wollte.

Kurz bevor mein Bruder Lena abholte hatte ich noch schnell ein paar Sachen für Lena und für mich gepackt. Ich spürte dann auch die ersten leichten Wehen.

Dann fuhren wir wieder ins Krankenhaus. Ich wurde untersucht.  Der Muttermund war grade mal fingerkuppendurchlässig und sehr fest.

Die 1. Einleitung wurde mit Gel um ca. 14 Uhr gemacht. Das zeigte auch schon nach kurzer Zeit Wirkung. Ich kriegte stärkere Wehen die ich zwar im Rücken spürte, aber eine PDA brauchte ich noch nicht. Nachdem ich dann 2 Stunden strack auf dem Rücken lag hatte ich dann das Bedürfnis rumzulaufen, das konnte ich auch. Bin dann runter zu meinem Geburtsvorbereitungskurs der genau an diesem Tag war und erklärte der Hebamme was passiert war. Sie war genauso entsetzt wie alle anderen.

Die Wehen spürte ich dann nicht mehr und an diesem Abend wurde auch nichts weiter unternommen. Meine Mom kam noch und wir unterhielten uns eine Weile. Später wiesen mir die Ärzte das nagelneue Appartement zu, damit ich nicht auf die Wochenstation musste. Und ich brauchte nix dazubezahlen. Normalerweise kostet das einen Eigenanteil.

Ich kriegte Valium von der Nachtschwester die ich, wie der Zufall es so wollte, auch noch von früher kannte. Vor der Valiumtablette las ich noch die Einwilligungserklärung für die Pda und unterschrieb sie. Danach bin ich für 2 Stunden oder so eingeduselt und dann wieder wachgeworden. Schlafen war unmöglich. Mir schossen so viele Gedanken durch den Kopf und Fragen über Fragen. Wie sieht unser Baby aus ?? Warum musste es sterben ?? Hat es sich mit der Nabelschnur verhaspelt ?? Soll ich Lena das Baby zeigen oder nicht ?? Sie hatte sich ja auch so gefreut. Wird es beerdigt werden......und und und, und ich hab fast die ganze Nacht geweint.

Wehen hatte ich auch, aber die waren nichts im Vergleich zu den seelischen Schmerzen.

Am 12.1.05 wurden wir um 7:15 geweckt. Gegen acht kam ich dann ans CTG. Es war noch eine Behandlung mit Gel geplant. Da aber auf dem CTG schon schöne gleichmäßig starke Wehen zu sehen waren, entschied sich der Oberarzt anders und legte mich um 9 Uhr an den Wehentropf. Nach und nach wurden die Wehen stärker und um 12 Uhr liess ich mir die PDA legen. Es klappte auf Anhieb, der Narkosearzt meinte es ging bei mir etwas schwierig, aber es ging. Gottseidank !!! Dann schliefen so langsam meine Beine und mein Po ein und ich kam wieder hoch aufs Zimmer. Auf dem rechten Bein konnte ich noch gut stehen, weil das noch nicht ganz so betäubt war, und ich dachte ich könnte locker aus dem Bett in mein Bett klettern. Die Schwestern stützen mich als ich auftrat und das andere Bein sackte so weg. Ein komisches Gefühl, so keine Kontrolle zu haben. Aber ich spürte keine Wehen, mir gings gut. Gegen 14:30 Uhr wurde die Pda noch mal nachdosiert.

Um 15 Uhr wurde der Tropf abgenommen, die Wehen waren stark. Leider hatte sich bis dahin am Muttermund gar nichts getan. Michael kriegte dann einen Migräneanfall. Klar, der Schock, der Trubel und die schlaflose Nacht....kein Wunder also. Er konnte ja neben mir schlafen und war die ganze Zeit bei mir. Um 17 Uhr wurde ich wieder untersucht diesmal war der Muttermund zweifingerdurchlässig, aber fest. Ich hatte dann auch Fieber, 38,6 und bekam Antibiotika vorsorglich. Die Pda wurde wieder nachdosiert, aber diesmal brachte es nichts. Die Wehen waren sehr stark und ich hatte Schmerzen. Irgendwann merkte ich das ich am Rücken total nass war. Bei den Narkoseärzten war sehr viel los und deshalb dauerte es bis um 21 Uhr bis einer kam und nachsah. Vorher wurde ich in den Kreissaal gebracht. Der Pda-Katheder war rausgerutscht und die letzte Dosis ist danebengegangen. Ich kriegte dann eine neue Pda die auch wieder klappte und besser saß. Danach noch eine Spritze Dolantin die den Muttermund weicher machen sollte. Die Wehen hielten sich gleichmässig. Ich wurde dann an eine Pumpe angeschlossen die die Pda immer kontinuierlich nachdosierte. So wurde ich dann mit einem zusätzlichen Bett in den Vorbereitungsraum des Kreissaales für die Nacht gelegt, für den Fall das es losgehen sollte.

Ich hab die ganze Nacht schmerzfrei und sehr gut geschlafen. Am 13.1.05 um 6:30 Uhr wurde ich wach, war ausgeruht, mir gings eigentlich sehr gut. Gegen kurz vor 7 Uhr merkte ich die Wehen wieder. Zuerst ganz schwach. Ich sagte schon mal der Hebamme Bescheid die noch mal auf den Nachdosierknopf drückte. Es half aber nichts. Die Wehen waren da, schwach, aber nicht so schlimm. Michael ist, nachdem er aufgestanden war zum Duschen und Umziehen kurz nach Hause gefahren. Ich hab ihn fahren lassen, da ich dachte es tut sich sowieso nichts und mir gings ja ganz gut. Leider kams anders als ich dachte. Ich wurde untersucht. Muttermund 3 cm eröffnet. Etwas weicher als am Vorabend. Gut dachte ich, es geht endlich voran. Leider kam wieder kein Narkosearzt herbei. Und gegen halb acht wurden die Wehen unerträglich. Als ich klingelte kam die Putzfrau und die sagte dann im Kinderzimmer Bescheid. Da stand dann eine Kinderschwester total hilflos neben meinem Bett und musste zusehen wie ich mich da im Bett quälte. Ich weiss nicht mehr wie lang es dauerte, aber es kam eine andere Schwester die die Situation erkannte und schnell den Arzt holte. Der untersuchte mich noch mal: Muttermund 6 cm !!!! Ich dachte nur gottseidank, und dann beschlich mich so ein Gefühl der Panik. Ich kämpfte immer noch mit den Wehen die so stark waren das ich dachte mich zerreissts gleich. Hätte ich eine Hand gehabt, die hätte ich zerquetscht. Und ausgerechnet dann war Michael nicht da......

Nach ein paar Minuten kam der Narkosearzt, machte die Pumpe ab und packte mir eine ordentliche Portion Betäubung in den Katheder. Nach 10 Minuten hatte ich wieder Ruhe. Ich spürte nix mehr. Da kam Michael wieder. Ich erzählte ihm was gewesen war und er war auch erleichtert das es endlich voran ging. Um kurz nach 9 Uhr kam dann der Oberarzt mit einer Hebamme und betäubte meinen Muttermund, damit es noch schneller ging. Dabei platzte dann die Fruchtblase, durch die ganzen vielen langen Wehen hatte sich ein Riesendruck aufgebaut. Es machte einen Riesenplatsch, Arzt und Hebamme sprangen noch zur Seite, aber der Arzt war ne viertelsekunde zu langsam und hatte die volle Ladung abgekriegt. Ich hab mich so erschrocken und doch konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen. Kurz danach spürte ich einen Druck. Die Hebamme sagte das wären die Presswehen....und da kriegte ich richtig Angst, fast Panik. Ich hatte wahnsinnige Angst, nicht vor der Geburt, ich spürte ja nichts. Ich hatte Angst mein Baby zu sehen, wie es wohl aussieht. Man hört ja so Horrorgeschichten. Die Hebamme rannte rum und holte alles was nötig war. Michael musste mein rechtes Bein festhalten. Es war so betäubt das es immer umfiel und ich konnte nichts dagegen tun. Dann schaute die Hebamme nach und sagte sie sehe das Köpfchen schon. In dem Moment fing ich an zu weinen und konnte auch nicht mehr aufhören. Ich sollte pressen wenn das Druckgefühl kam, hab ich gemacht und als ich noch mal mit aller Kraft loslegen wollte brüllten beide ich solle hecheln. (hä, wieso was jetzt dachte ich) da war das Köpfchen schon da und Sekunden später rutsche der Rest nach. Das ganze hat 2 Preßwehen und 10 Minuten gedauert. Geschnitten wurde ich nicht, ich bin aber an zwei Stellen minimal gerissen was später genäht wurde. Und dann lag er da, ich fragte nach, was es sei und die Hebamme sagte ein kleiner Junge. Er war sehr blass, sah aber aus als würde er jeden Moment losbrüllen. Die Hebamme und der Arzt kämpften auch mit den Tränen. Wir nennen ihn Simon Michael und er wurde mir auf den Bauch gelegt. Die Nabelschnur und die Plazenta wurden untersucht. Es deutet nichts darauf hin das er sich verhaspelt hat. Die Nabelschnur war ganz normal noch nicht mal um einen Fuss oder die Hand gewickelt. Das einzige woran man sieht das er ein Sternenkind ist, ist das sich seine Haut am Hals und an den Händchen ablöste, was aber ganz normal war. Ich hatte ihn 10 Minuten auf dem Bauch, konnte in mir in aller Ruhe ansehen. Er hat wenige hellbraune Haare, von der Käseschmiere, hatte er noch was im Gesichtchen. Das einzige was darauf hin deutet das er zu früh dran ist waren die Augen. Die sind noch so wulstig.

Aber sonst ein ganz normalgroßes Baby. 48 cm, 2350 g. Ich dachte ich hör nicht richtig. Hatte mein Frauenarzt also doch recht mit den Berechnungen von 1800 g in der 29. Woche. Und er hätte noch 7 Wochen gehabt. Das wäre ein Brocken geworden. Er wurde gemessen, gewogen, angezogen und die Käseschmiere ein wenig aus dem Gesicht gewischt und er bekam ein Namensbändchen. Hand und Fussabdruck wurden auch gemacht. Dann bekam ich ihn wieder. In der Zeit kamen alle Schwestern der gesamten Station in den Kreissaal und sahen ihn sich an und alle meinten, wie hübsch er sei. Er sieht aus als ob er schläft. Nachdem ich versorgt war und meinen Jungen im Arm hatte wurde ich gefragt ob ich ihn mit aufs Zimmer nehmen wollte. Ich sagte ja, ein Bettchen wurde gebracht und ich hatte ihn neben meinem Bett stehen.

An dem Tag kriegte ich relativ viel Besuch. Ich rief alle an um ihnen mitzuteilen das der Kleine da ist. Am Abend vorher hatte ich überlegt ob Lena ihn sehen sollte. Meine Mom sagte entschieden Nein, aber ich sprach mit vielen Schwestern, Hebammen und Ärzten und alle sagten ich sollte es tun. Ich weiss wie sehr Lena sich gefreut hatte und ich hatte ja schon Monate vorher mit ihr gesprochen über dieses Thema, weil sie mich damals fragte, ob Babys im Bauch auch sterben könnten. Wir machten es davon abhängig wie er aussieht und da er sehr gut aussah rief ich Lenas Vater an und sagte ihm er solle sofort mit Lena kommen. Das machte er dann auch. Ich fragte sie vorher und erklärte ihr das ihr kleiner Bruder nicht so aussieht wie ein normales Baby. Sie sagte ohne auch nur eine Sekunde zu zögern ja. Simon hatte über die Zeit eine andere Gesichtsfarbe gekriegt. Ging so von einem rötlichen ganz leicht ins lila. So sah er nicht mehr so blass aus. Lena schaute ihn sich ganz genau an, hob immer die Decke hoch. Da nahm Michael ihn raus und legte ihn mir ins Bett. Lena schaute ganz genau, fühlte die kleinen Füßchen und Händchen, streichelte seinen Kopf und fragte und fragte. Sie war fasziniert. Ich erklärte ihr dann auch das sie ihn danach nie wieder sehen würde, sie verabschiedete sich von ihm und sie fuhren wieder nach Hause. Lena war eine halbe Stunde da, und ich war so froh das ich ihr Simon gezeigt hatte. Sie hat es sehr gut aufgenommen.

Es wurde dann klar das Simon am nächsten Tag, vormittags vom Bestatter abgeholt werden sollte. Wir haben Fotos gemacht. Meine Mutter kam noch und hat ihn sich auch angesehen. Michael nahm ihn wieder raus und meine Mom sagte nur, nein lass ihn doch drin......, irgendwie war ihr das nicht ganz geheuer, aber ich wollte es so. Er sah so süß aus.

Ich konnte wieder sehr gut schlafen, die Schmerztabletten die ich kriegte machten mich müde und ich schlief bis um 6 Uhr morgens des 14. Januar 2005. Um 7 Uhr musste Michael zur Knie OP hoch in die Chirurgie. Ich hatte also ein paar Stunden Zeit für mich ganz alleine mit Simon. Er verabschiedete sich von ihm und ging hoch. In aller Ruhe zog ich mich an nahm Simon mit ins Bett. Der Oberarzt kam und teilte mir mit das Simon bald abgeholt würde. Der Bestatter hätte sich gemeldet. Ich machte noch 2 Fotos und schaute ihn mir ganz genau an und redete mit ihm. Mittlerweile hatte er sich auch verändert, und ich wusste das nun der entgültige Abschied kam. Wir haben uns dazu entschieden eine Obduktion vornehmen zu lassen. Ich möchte gerne wissen warum mein kleiner Sohn schon gehen musste. Ich würde es mir nur vorwerfen wenn ichs nicht täte.

Um 10 Uhr wurde er dann abgeholt. Ich legte ihn wieder ins Bettchen und sie nahmen ihn mit. Meine Verfassung war natürlich auf dem Nullpunkt, eine Schwester kam und blieb bei mir. Sie brachte mich dann hoch zur Tagesklinik wo Michael auf die OP wartete, ich durfte nicht allein sein. So hörte ich auch nicht das Babygeschrei, was mich die ganze Zeit über völlig fertigmachte. Das wars eigentlich auch. Ich hab den ganzen Tag bei Michael auf der Station gesessen. Gegen 18 Uhr durfte er gehen und da wurde ich auch zur Abschlussuntersuchung gerufen. Um 19 Uhr waren wir zu Hause. Lenas Vater brachte sie pünktlich um mich abzuholen.

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