24.04.2008

Die Schwangerschaft verlief ganz normal. Es gab keinen Grund zur Besorgnis. Bis zu diesem Tag am Ende der 17. Schwangerschaftswoche. Um 11 Uhr stellte ich fest, das ich eine Blutung hatte. Nicht sooo schlimm, aber sie war da. Sofort rief ich beim Arzt an und konnte dort auch gleich hin. Eine Viertelstunde später saß ich beim Arzt und dachte mir noch, eine Menge Frauen haben Blutungen und trotzdem geht’s den Kindern gut. Ich wurde zuerst untersucht. Das ergab zunächst keinen Befund. Danach wurde Ultraschall gemacht. Und da war es wieder……………..dieses Bild von einem Baby in dem kein Herz mehr pochte. Es rührte sich nicht, auch nicht als der Arzt es anstupste. Ich sah in sein Gesicht und sagte leise“: Schonwieder“!! Er nickte und packte seufzend das Ultraschallgerät weg. Ich konnte es nicht glauben. Ich lag auf derselben Liege und habe wieder ein totes Baby im Bauch. Ich versuchte gefasst zu bleiben was mir auch gelang. Anschließend rief ich Michael an und fuhr dann erstmal nach Hause. Die Arzthelferinnen meldeten mich schon mal im KH an.
Zuhause erledigte ich wieder dieselben Anrufe und packte ein paar Sachen zusammen. Ich hoffte das es diesmal nicht so lang dauern würde und ich schnell wieder zuhause bin. Dann stand mir noch das Schwerste überhaupt bevor. Lena saß völlig ahnungslos in der Schule. Wir beschlossen sie um 12:30 Uhr abzuholen. Da kam sie dann freudestrahlend aus der Schule als sie uns sah. Als ich sie leise begrüßte und sie mich ansah, wusste sie sofort das etwas nicht stimmte. Ich nahm sie in den Arm und sagte ihr das es schon wieder passiert sei. Sie fing sofort an schrecklich zu weinen. Es zerriß mir das Herz. Sie hatte sich so auf das neue Baby gefreut, und wieder muss ich ihr eine solche Nachricht bringen. Ich hätte ihr soo gerne ein lebendiges Geschwisterchen geschenkt.
Wir fuhren dann direkt zum KH. Michael fuhr mit Lena erstmal nach Hause. Sie musste was essen und hatte an dem Tag noch Training woran sie auch teilnehmen wollte. Und ich ging ins KH.
Dort stand ich zunächst allein auf der Entbindungsstation. Nach ein paar Minuten kam eine Hebamme. Sie wusste Bescheid und führte mich erstmal in das Wehenzimmer. Da konnte ich meine Sachen erstmal lassen. Ich musste wieder runter ins Foyer und mich anmelden.
Einige Minuten später kamen zwei Ärztinnen. Die eine legte mir schon mal einen Zugang für die späteren Medikamente. Kurz darauf kam auch schon der Oberarzt. Es wurde noch eine Ultraschalluntersuchung gemacht um ganz sicher zu gehen. Wieder dieses Bild vom toten Baby. Die Ärmchen schwammen im Fruchtwasser leblos umher durch die Bewegungen des Ultraschallkopfes.
Es folgte ein gynäkologische Untersuchung. Der Arzt teilte mir mit, das es eine Zeitlang dauern würde. Er sagte aber das es wohl am nächsten Tag vorbei sein könnte.
Ich bekam ein Zimmer auf der Station 3a. Das war nicht die Entbindungsstation, sondern die für Frauenheilkunde. Ich war sehr dankbar dafür. Eine nette alte Dame teilte sich das Zimmer mit mir. Mit ihr konnte ich erstmal meinen Kummer ein bisschen teilen.
Gegen 14 Uhr wurde mir eine Tablette vor den Muttermund gelegt. Die sollte den Muttermund bereit machen. Schon nach einer halben Stunde stellten sich die ersten leichten Wehen ein. Ich merkte immer wenn sich mein Unterleib zusammenzog. Es tat aber nicht weh.
Bis 17 Uhr tat sich weiter nichts. Das Telefon klingelte. Meine Schwester Janina war dran. Während ich mit ihr sprach, bekam ich eine Blutung. Ich drehte mich auf die Seite und beendete zuerst das Telefongespräch in aller Ruhe. Als ich auflegte stand auch ein Arzt im Zimmer. Ich erzählte ihm von der Blutung, wollte aber erstmal zur Toilette. Es war ne heftige Blutung, so wie bei einer starken Periode, und dann fiel noch irgendwas runter. Ich konnte nicht sehen was, aber es war sehr klein. Zuerst kriegte ich einen Schreck, aber dann fiel mir ein das das bestimmt dieser Schleimpfropf war, der den Muttermund während der Schwangerschaft verschließt. Der Doktor war schnell wieder da und nahm mich samt Bett mit auf die Entbindungsstation.
In der Zwischenzeit war auch meine Mutter gekommen. Michael war schon wieder weg um Lena abzufangen. Sie hatte ja noch ihr Training. Nur schienen sich die beiden verpasst zu haben, denn plötzlich stand Lena mit Tränen in den Augen vor der Tür. Michael war noch unterwegs und suchte sie. Etwas später kam er dann auch rein und war erstmal erleichtert das sie bei uns war. Kaum war er eingetrudelt mussten auch gleich alle den Raum verlassen weil der Arzt mich untersuchen wollte. Der Muttermund war „mit viel gutem Willen“ fingerkuppendurchlässig. Nicht viel, aber immerhin etwas.
Mama, Michael und Lena blieben noch bis ca. 19 Uhr. Danach packte ich meine Sachen zusammen und ging wieder rüber auf mein Zimmer. Ich fühlte mich auf der Entbindungsstation mit den vielen Babybildern an der Wand nicht wohl. Die Schwestern brachten mein Bett etwas später auch wieder.
An dem Abend schaute ich mit meiner Bettnachbarin einen Film, später schaltete ich um und schaute irgendwelche Dokus bis mir die Augen zufielen. Als ich merkte das ich eigentlich nur noch höre und nicht mehr gucken konnte, machte ich den Fernseher aus. Aber schlafen konnte ich nicht. Kaum war es ruhig, schossen mir so viele Gedanken durch den Kopf. Genau wie bei Simon. Damals konnte ich selbst mit Valium nicht schlafen.
Irgendwie schlug ich mir die Nacht um die Ohren. So eine Nacht kann ganz schön lang werden. Als gegen 6 Uhr morgens endlich wieder Leben auf die Station kam, war ich froh das diese Nacht um war.
Ich hatte Hunger, bekam aber kein Frühstück. Die Schwestern waren sich nicht sicher ob ich nüchtern bleiben musste oder nicht. Nach einer Stunde stand fest, ich darf essen. Allerdings verging mir der Hunger wieder, nachdem ich sah was ich da kriegte. Weißbrot….igitt !!! Aber zum Glück habe ich ja einen Michael, der hatte mir zuhause zwei Knäckebrote vorbereitet und mir die ins KH gebracht.
Um 9:20 Uhr kamen die Schwestern mit dem Wehentropf. Ich wurde angestöpselt und war erstmal ans Bett „gefesselt“. Alle halbe Stunde musste mein Blutdruck gemessen werden. Dieses Wehenmittel kann auf den Kreislauf hauen. Ausser den Schwestern die ab und zu mal reinkamen, sah ich sonst niemanden. Weder eine Hebamme noch einen Doktor. Bis um 14 Uhr wars eigentlich nur langweilig. Meine Bettnachbarin ist inzwischen entlassen worden. Dann wurden die Wehen stärker. Jede Minute, ziemlich unangenehm, aber noch zu ertragen. Irgendwie machte mir das nichts aus. Ich wollte das ertragen, eine PDA wollte ich nicht. Hätte sich auch nicht gelohnt.
Eine Stunde später wurde es richtig heftig. Es tat weh. Allerdings waren die Schwestern in der Pause. Nach ner Viertelstunde kam eine Ärztin zu mir. Ich sagte ihr das ich ne Weile lang sehr heftige Wehen hatte. Sie untersuchte mich und meinte anderthalbfinger weit. Naja, dacht ich, dann tut sich ja was.
Ich musste mal auf die Toilette, allerdings hatte ich Angst davor. Ich wusste das das Baby sehr klein sein würde und da traute ich mich nicht. So nahm ich lieber die Bettpfanne. Es ging aber alles gut.
Da ich die PDA ablehnte, brachte mir die Ärztin einen Buscopan Tropf. Das ist ein krampflösendes Mittel gegen den Wehenschmerz. Das war ganz ok. Es half auch recht schnell. Mir gings dann relativ gut. Nach 10 Minuten platzte plötzlich die Fruchtblase. In Sekundenbruchteilen saß ich in einer Pfütze………….sehr unangenehm. Es dauerte noch 10 Minuten bis eine Schwester mit neuen Laken kam und mich „trockenlegte“. Jetzt kriegte ich etwas Angst. Ich bat darum meine Hebamme Anne anzurufen. Ich wusste zwar nicht wie „ernst“ es war, wusste aber das es nach dem Platzen der Fruchtblase sehr schnell gehen kann. Ich wurde mit zahlreichen Vorlagen ausgestattet und es hieß weiter warten. Die Wehen waren noch da, das merkte ich, aber es tat nicht weh.
Um 17:00 Uhr klingelte das Telefon. Das war bestimmt Janina dachte ich noch während ich abnahm. Ich erzählte von meinem bisherigen Tag, eigentlich war so alles ok. Die ganze Zeit merkte ich immer wie Reste vom Fruchtwasser „ausliefen“. Immer mal wieder etwas. Doch plötzlich war da ein ganz eigenartiges Gefühl. Mit einer Bewegung die ich machte „glibberte“ da irgendetwas und dann fühlte ich etwas „festes“. Mit einem Mal schoß es mir durch den Kopf das dies das Baby sein musste. Ein Panikgefühl ergriff mich und ich versuchte meiner Schwester zu sagen das ich jetzt auflegen muss, weil ich jemand holen muss und legte auf. Ich konnte ihr leider nicht sagen warum, ich wusste ja selber nicht genau was los ist. Ich drückte meine Beine zusammen, spannte alle Muskeln an und bewegte mich nicht mehr. Ich sagte zu Micheal, das ich glaube das das Baby kommt. Sofort ging er los und holte jemanden. Minutenlang hielt ich alles fest und bewegte mich nicht. Zwei Schwestern kamen und schauten sich das an. An ihren Gesichtszügen konnte ich sehen das es das Baby ist, was sie da sahen. Ich traute mich immer noch nicht mich zu bewegen. Kurz darauf kamen die Hebamme und eine Ärztin. Ich zitterte und weinte und konnte nicht damit aufhören. Am 25.04.2008 um 17:12 Uhr ließ ich mein Baby los und schon rutschte es einfach weg. Ein paar Minuten dauerte es bis sich die Plazenta löste. Danach schaute ich mir das Baby an. Es sah wirklich furchtbar aus. So winzig, so unfertig. Ein Gesicht hatte es irgendwie nicht wirklich. Ein Auge und ein Ohr konnte ich erkennen, aber mehr nicht. Michael hatte mir einen Fotoapparat mitgebracht, aber ich wollte keine Fotos machen. Es war zu schrecklich. Das Geschlecht konnte man auch nicht sicher bestimmen. Aber ich habe irgendwie das Gefühl das es ein Junge ist. Und dabei bleiben wir.
Eine Untersuchung wollten wir nicht. Es wäre ja doch nichts dabei herausgekommen. Bis auf weiteres wurde der Kleine im KH verwahrt.
Nun hatte ich ein bisschen Zeit mich wieder zu beruhigen. Es ist vorbei.
Um 18:20 Uhr musste ich in den OP zur Ausschabung. Das ging sehr schnell. Um 18:45 Uhr war ich schon wieder wach und wurde auf die Station gebracht. Mama war schon da und Michael ist kurz nach Hause gefahren und hat mir mein Abendessen gebracht. Ich kriegte zwar Essen vom KH, aber ich hab mein Knäckebrot einfach lieber.
In dieser Nacht hab ich geschlafen. Ich war zwar um halb sechs wieder wach, aber diese Nacht war nicht so lang wie die erste.
Am nächsten Morgen konnten wir gegen 10 Uhr wieder nach Hause.
Und wieder ein „Nachhausekommen“ als wäre es wie immer und wieder ist nichts wie es vorher war. Der ganze Ablauf war fast gleich, wie damals bei Simon. Lena hat unserem Baby den Namen Leon gegeben.
 
 
 
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