Im Frühling 2003 war für uns klar das wir ein Geschwisterchen für Lena wollten. Es dauerte sehr lange bis es endlich soweit war. Am 26.06.2004 hielt ich endlich den positiven Schwangerschaftstest in Händen. Wir freuten uns riesig. Endlich kommt das Wunschkind auf das wir so lang gewartet hatten. Die erste Untersuchung beim Arzt bestätigte die Schwangerschaft. Ich konnte unser Baby bereits sehen. Sein winziges Herzchen schlug kräftig. Alles in Ordnung.

überglücklich präsentierte ich Michael das erste Ultraschallbild von unserem "Krümel". Es war alles perfekt. Die Beziehung zu Michael lief super, ich hatte den Job im Kinderhospiz und mit Lenas Vater verstanden wir uns auch gut. Das einzige was fehlte: Ein Baby. Aber das war ja nun unterwegs. Der Entbindungstermin sollte der 3. März 2005 sein. Die Vorsorgeuntersuchungen verliefen alle ohne Probleme. Unser Krümel wuchs prächtig. Ich wurde immer runder. Lena freute sich auch auf ihr Geschwisterchen. Sie streichelte oft meinen Bauch und stellte sich vor wie es dann sein wird, mit einem Baby in der Familie. Sie war sehr stolz "grosse Schwester" zu werden. Sie wünschte sich eine kleine Schwester. Irgendwann in dieser Schwangerschaft fragte sie mich ob Babys im Bauch auch sterben könnten. Das hat mich schon erschreckt, aber nicht weiter beunruhigt. Ich erklärte ihr das das passieren kann, auch mit unserem Krümel, wollen es aber nicht hoffen.

Diese Schwangerschaft unterschied sich sehr zu der von Lena. Ich hatte Angst. Eine unerklärliche Angst, von Anfang an. Andauernd machte ich mir Gedanken darüber ob mit Krümelchen alles ok ist. Jeder Untersuchung fieberte ich entgegen und wurde erst ruhiger wenn ich die Herztöne hörte oder mein Baby im Ultraschall sah. Einen Nachmittag bin ich fast panisch geworden und war kurz davor zum Arzt zu gehen, weil sich mein Baby nicht bewegte, als plötzlich doch ein heftiger Tritt kam. Es hat nur geschlafen. Von dieser Angst hab ich niemandem erzählt. Ich wollte nicht als hysterisch abgestempelt werden. Man soll sich halt nicht so viel Gedanken machen. Im Dezember 2004 machte ich mir sehr viele Gedanken. Krümelchen dachte nicht im Traum daran sich mal richtig rum zu drehen. Es lag erst in Beckenendlage und dann quer. Die Hebamme aus dem Geburtsvorbereitungskurs zeigte mir ein paar Übungen die ich von da an täglich machte.

Am 8. und 9. Januar 2005 haben wir dann angefangen das Kinderzimmer umzuräumen und zu renovieren. Da war viel zu tun. Abends dann strampelte unser Baby wie wild. Ich hoffte das es sich nun endlich in Schädellage dreht. So wie es tobte konnte das gut sein. Ich konnte gar nicht abwarten zur Vorsorge zu kommen um nachschauen zu lassen ob es sich wirklich gedreht hatte. Am 11. Januar 2005 hatte ich den Termin. Am 10. Januar 2005 bin ich mit Lena losgezogen um ihr neue Sachen zu kaufen. Mit einem Schlag war sie aus allem rausgewachsen. Den ganzen Nachmittag war ich auf den Beinen. Abends war ich so fix und fertig das ich sofort eingeschlafen bin. Durch den ganzen Stress merkte ich nicht, das sich mein Baby schon eine ganze Weile nicht mehr gerührt hat. Auch am Morgen des 11. Januars nicht. Ich brachte Lena schnell in den Kindergarten und ging dann zum Arzt. Ich sollte erst mal ans CTG. Die Schwester rief gleich den Arzt um das Baby zu "finden". Das letzte Mal hatte sie länger gebraucht bis sie die Herztöne fand. Der kam, tastete meinen Bauch ab und drückte den Herztonknopf drauf. Aber es kam nur ein Rauschen. Er probierte rum, tastete noch mal ab, legte den Knopf wieder drauf.....................nichts. Kein Herzschlag. Da wurde ich nervös und überlegte fieberhaft wann ich unser Baby das letzte Mal gespürt hatte. Ich konnte es nicht sagen. Ich bekam furchtbare Angst. Der Arzt lief dann murmelnd raus. Ich sollte noch einen Moment im Flur warten, bis das Ultraschallgerät wieder frei ist. Es waren vielleicht 5 Minuten. 5 endlose Minuten. Ich starrte auf meinen dicken Bauch, drückte mal hier mal da. Aber es regte sich nichts. Ich dachte, nu beweg Dich endlich, zeig mir das Du da bist............aber es kam nichts.

Ich wurde dann in die Praxis gerufen. Der Arzt untersuchte mich zuerst und machte die ganze Vorsorge, also Blutdruckmessen, Wiegen...etc. Ich dachte mir nur, er sollte endlich Ultraschall machen, ich will wissen ob mein Baby noch lebt. Endlich war es soweit. Das Gel wurde zum zweiten Mal auf meinem Bauch verteilt. Ich schaute zum Bildschirm und sah unser Baby. Ich sah seinen Kopf, die Hände, die Rippen. Und zwischen den Rippen suchte ich das bumpern, welches ich sonst immer dort sah. Aber diesmal sah ich nichts dort. Der Arzt schaute eine Weile auf den Bildschirm und ich starrte auch darauf. Bis er leise sagte: "Ihr Kleines ist leider gestorben" !!!

Da wusste ich, jetzt ist alles vorbei. Ich hörte mich sagen: "Nein, nein, warum" ??? Ich wollte weinen, konnte aber nicht. Die Tränen wollten einfach nicht kullern. Ich fragte mich warum, warum jetzt??? In der 33. Woche. Der Arzt nahm mich in den Arm und fragte sich selber immer wieder warum das passieren musste. Nach ein paar Minuten setzte er sich wieder an seinen Schreibtisch und fragte mich nach den letzten Bewegungen. Ich konnte es nicht sagen, nicht mit Sicherheit. Ich war total durcheinander. Dann verabschiedete sich der Arzt von mir und sagte den Arzthelferinnen das sie mich schon mal im Krankenhaus anmelden sollte. Ich bekam die Überweisung auf der stand: Fruchttod in der 33. Schwangerschaftswoche.

Ich durfte Michael anrufen und erzählte ihm sofort das unser Baby nicht mehr lebte. Er kam mich sofort abholen. Als ich auf ihn wartete kam eine Frau in die Praxis mit einem dicken Bauch. Sie streichte immer wieder darüber. Ich saß nur da und starrte auf meinen Bauch. Ihn streicheln...........das konnte ich nicht mehr. Als Michael kam, fiel ich ihm weinend in die Arme. Da konnte ich weinen. Wir fuhren dann sofort ins Krankenhaus.

Datenschutzerklärung
Kostenlose Webseite von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!